03.05.2012

Stadtverband 2012
Energiewende ausgebremst?

Krise in der Branche


In der bekannt reißerischen und von Schlagworten und ideologischen Zielen geprägten Art erklärt das Umweltministerium Baden-Württemberg, dass die seit dem 1. April geltenden neuen Vergütungssätze für die Stromerzeugung aus Pho-tovoltaikanlagen die bislang positive Entwicklung beim Bau von Photovoltaik (PV) -Anlagen und damit die Energiewende allgemein gefährden. Man könnte fast meinen, dass ihm die schwere Krise in der deutschen Solarindustrie gerade recht kommt: nach vier großen Pleiten in dieser Branche hat nun das amerikanische Unternehmen First Solar beschlossen, sein Werk in Frankfurt an der Oder zu schließen. Es ist natürlich einfacher, schwere Strukturschäden in der Branche ein-fach dem politischen Gegner im Bund in die Schuhe zu schieben, als nach Gründen für diese Pleiten zu suchen. Natürlich sind Unternehmenspleiten immer ein schwerer Schlag für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere in einer Region, die große Hoffnungen in die Photovoltaikindustrie gesetzt hatte. Die schwere Krise in der Branche verdeutlicht, wie Deutschlands Solarkonzerne von asiatischen Konkurrenten abgehängt werden. Trotz milliardenschwerer Förderung. Ausgerechnet jetzt, da Solarstrom allmählich wettbewerbsfähig wird und den nachhaltigen Zielen, Ressourcenschonung und Klimaschutz allmählich näher kommt.
Eine Studie des renommierten Paul Scherrer Instituts zeigt, dass Photovoltaikan-lagen, deren Zellen aus kristallinem Silizium hergestellt sind, wie es heute noch üblich ist, 15mal mehr CO2 emittieren als beispielsweise Wasserkraftwerke, wenn die Herstellung der Anlagen bei der Bilanz berücksichtigt wird. Diese Bilanz der Photovoltaik kann bis auf 1/20 des aktuellen Wertes reduziert werden, wenn in der Zukunft Dünnschichtzellen verwendet werden, die gerade in der Entwicklung sind.
Ausgerechnet der Förder-Boom der vergangenen Jahre wird den deutschen Solar-firmen zum Verhängnis. Denn die große Nachfrage befeuerte die industrielle Mas-senproduktion der Zellen, vor allem in China. Das führte zu einem rapiden Preis-verfall. Allein 2011 sind die Preise für Module um 30 bis 40 Prozent gefallen - weit schneller, als die Deutschen die Produktionskosten drücken können. Würde nun Deutschland trotz des weltweiten Preisverfalls bei den Modulen die Einspeisever-gütung unverändert fortführen, würde das globale Überangebot in den deutschen Markt drängen – zu Lasten der deutschen Stromverbraucher und der deutschen Solarindustrie. Eine derartige Subventionierung globaler Überkapazitäten und in-sbesondere der chinesischen Billigproduzenten durch die deutschen Stromver-braucher ist nicht hinnehmbar, so der Bundesumweltminister Norbert Röttgen.
Für eine rasche und nachhaltige Energiewende ist es viel sinnvoller, die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten deutscher Unternehmer in diesem Sektor zu fördern. Wir brauchen für eine funktionierende Energiewende am dringendsten neue Methoden der Speicherung und des intelligenten Netzausbaues. Dafür müssen wir alle Mittel einsetzen, ohne die Energiepreise für unsere Industrie unbezahlbar zu machen. Sollte dies nicht gelingen, wird es noch mehr Pleiten in der Industrie und damit verbundene Arbeitsplatzverluste geben, die weit über die Solarindustrie hinausgehen.
CDU-Stadtverband Karlheinz Roth
 
 
 
 
   
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